Der Regisseur und seine Meinung zum Stück

Daniel Nobs (* 1964) ist Schauspielprofi und verfügt über
eine breite Ausbildung im Theater- sowie im Filmbereich. 1988 besuchte
er die "Studio Mageni", eine Mimenschule in Paris. Von 1989
bis 92 absolvierte er die Dimitri Schule in Vercio TI und genoss anschliessend
von 1992 bis 94 eine Ausbildung in Schauspiel / Stimme bei H. Köhler
am Theater Basel.
Es folgten verschiedene Weiterbildungen in Theaterimprovisation (Züricch
/ San Francisco) und Stimme (Hannover). Nach seiner schauspielerischen
Aus- und Weiterbildung erwarb Daniel Nobs auch ein Kursleiter Zertifikat.
Daniel Nobs trat als Schauspieler in bedeutenden Rollen an verschiedenen
Theatern in der Schweiz und in Deutschland (Landesbühne Hannover)
auf. Zudem war er verschiedentlich als Kursleiter von Improvisationskursen
sowie als Regieassistent tätig.
Während längerer Zeit spielte er auch am "Theater an der
Effingerstrasse"in Bern , so u.a in "Draussen vor der Tür"von
Borchert, im "Sennentunschi"von Schneider, in Strindbergs "Fräulein
Julie", in "Biedermann und die Brandstifter"von Max Frisch
und vielen mehr. 2000 spielte er unter der Regie von Reto Lang bei der
Freilichtbühne Schwarzenburg den Don Juan in "Dr Tüüfelspakt"(nach
Goethe) bei der Klosterruine Rüeggisberg.
Der Regisseur zum Stück
Um es gleich auf den "wunden" Punkt zu bringen: Wie inszeniert
man auf einer engen Altstadt-Kellerbühne, in deren Mitte ein massiver,
heimatschutzverdächtiger Holzpfosten strotzt, ein Theaterstück,
das in drei Räumen spielt und vom Rhythums her keine langen Umbauphasen
zulässt?
Ein Therapeut würde vielleicht raten: Folge dem Lauf der Dinge, vertrau
dem Prozess, er wird seine eigene Lösung kreieren.
Nun, der (Probe)prozess hat uns eine unvorhersehbare Lösung beschert,
die Herausforderung und Spannung zugleich verspricht.
Kommen Sie, erfahren und spüren Sie selbst.
Aber hoppla, jetzt stecken wir auch sprachlich schon tief in diesem therapeutischen
Fachchinesisch, das uns in der diesjährigen Produktion so herzerfrischend
vorgeführt wird. Neben ein paar neuen Begriffen und Praktiken lernten
wir während den Proben auch ein Sammelsurium therapiebedürftiger
Zeitgenossen kennen. Für uns war es eine äusserst vergnügliche
Sache den Figuren und ihren allzu menschlichen Verwirrungen auf die Schliche
zu kommen und zu sehen, wie sie in den Praxisräumen von dem mit fast
allen esoterischen Wassern gewaschenen Therapeutenpaar auf Teufel komm
raus therapiert werden. Gelegentlich stellte sich schon mal die Frage,
wer da eigentlich wen therapiert. Die Therapeuten die Klienten ?... Nein,
doch eher die Klienten sich selber und die Figuren uns!... Ach was, die
Schauspieler die Zuschauer... aber,...
Sie sehen, der Klärung bringende Therapiebedarf scheint enorm!
Das Stück "Trommeln über Mittag"von Patrick Frey
und Katja Früh ist eine Satire auf die zum Teil groteske Therapiegläubigkeit
und ihre befremdenden Auswüchse in unserer Zeit. Obwohl vor zehn
Jahren uraufgeführt und therapeutisch vielleicht nicht mehr so ganz
up-to-date - die eine oder andere modernste "Methode"könnte
schmerzlich vermisst werden - , es hat nichts an Brisanz verloren.
Ich wünsche Ihnen einen hautnahen Theaterabend
Daniel Nobs
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